Herzlich Willkommen,

hier informieren wir Sie über die Arbeit des Kirchenbauvereins Ellrich, der aus den Vereinen zum Aufbau der St.Johanniskirche entstanden ist. Unsere Schwerpunkte sind nach wie vor die Erhaltung der evangelischen Kirchen in Ellrich (St.Johannis und St.Marien), insbesondere der Aufbau des Johannisturms an der Marktkirche und die Sicherung der Bausubstanz an der Frauenbergskirche.

Sie möchten mithelfen?

Bitte schreiben Sie uns eine E-Mail, falls Sie Mitglied im Verein werden möchten oder Fragen zu unserer Vereinsarbeit haben. Wir freuen uns über jede Unterstützung!

E-Mail:     info(at)johanniskirche-ellrich.de

Heimatandacht 23.08.20020 und Johanniskirche

Auch wenn es in diesem Jahr kein Schützenfest und auch keinen Bücherbasar in Ellrich geben wird, wollen wir doch an der schönen Tradition der Heimatandachten in der Marktkirche festhalten. Wir laden daher die Ellricher und alle Gäste am Sonntag, 23.08.2020, 11 Uhr, zu einem Besuch der St.Johanniskirche ein. In einer Andacht werden Karl-Heinz Kindervater, Prädikant und gebürtiger Ellricher, und Pfarrer Jochen Lenz das Thema „Heimat“ betrachten. Was bedeutet uns Heimat heute, wie bestimmt sie unser Leben, Denken und Handeln.

Auch eine kulturelle Umrahmung wird es wieder geben: Hans-Ulrich Hahmann, ebenfalls in Ellrich geboren, wird eine Episode aus seinem im Herbst erscheinenden Buch zur Geschichte der St. Johanniskirche vortragen. Und auch die Musiker um den ukrainischen Organisten Alexander Voynov haben wieder Melodien zusammengestellt, die Innehalten und Besinnung ermöglichen.

Natürlich freuen wir uns dabei auch auf Spenden, die für den weiteren Ausbau der Kirche und des Turmes verwendet werden, nehmen doch die Pläne zur Gestaltung des Kirchenraumes konkrete Formen an.
So soll mit dem Wiederaufbau der Empore und deren Anbindung an den Turm ein Regiezentrum entstehen, von dem aus Audio, Video und Beleuchtung gesteuert werden. Eine Verbesserung der Raumakustik fördert die Verständlichkeit und das Hörerlebnis in der gesamten Kirche. Durch eine flexible Bestuhlung und den Einsatz mobiler Trennwände lassen sich Möblierungen für unterschiedliche Anforderungen gestalten. Auch Funktionsräume (z.B. Garderobe, Teeküche, WC) für eine weitergehende Nutzung des Kirchenraumes sind vorgesehen, wobei selbstverständlich die Grundfunktion der Kirche als evangelisches Gotteshaus gewahrt bleibt.

Und dann gilt es, die Kirche mit Leben zu füllen, ein sozio-kulturelles Zentrum entstehen zu lassen, das eine breite Ausstrahlung und Akzeptanz in der Region hat. Mit unkonventionellen Hörkreisen haben wir einen Anfang gemacht, Konzerte, Ausstellungen oder Vorträge werden ohnehin angeboten. Es werden aber auch neue Formate gesucht, „quergedachte“, die noch in kein Schema passen und das kulturelle Leben in Ellrich bereichern können. Das müssen keine fertigen Konzepte sein, sondern Denkansätze, die wir gemeinsam entwickeln können. Wer sich beteiligen möchte, ist bei den Querdenkern herzlich willkommen.

Beitragseinzug 2020

Am 15.07.2020 werden die Beiträge der Mitglieder abgebucht, die uns dazu bevollmächtigt haben.

Frauenbergskirche photometrisch erfasst

Nach dem Drohnenflug über der St.Johanniskirche wurde auch die Frauenbergskirche mit der Drohne um- und überflogen. Dabei entstanden sogenannte Orthofotos, die eine detaillierte Betrachtung und Einmessung des gesamten Bauwerkes erlauben. Damit können Schäden auch an eigentlich schwer zugänglichen Stellen erfasst und begutachtet werden.Diese Bilder können für die Erstellung einer Schadensdokumentation genutzt werden, um eine exakte ingenieuertechnische Beurteilung der Bausubstanz dieses Ellricher Wahrzeichens zu ermöglichen.

Panoramasicht vom Ellricher Kirchturm

Wohl kaum jemand kennt noch diesen Panoramablick vom ehemaligen Ellricher Kirchturm. Wir haben diese Sicht aus einer Höhe von 45 m mit einem Drohnenflug über der Kirche fotografiert und werden die Fotos demnächst in der Kirche ausstellen. Das hier beigefügte Bild ist lediglich eine Illustration.

EU fördert Vorhaben für St.Johannis

Mit Zuwendungsbescheiden vom 17. April und 15. Mai 2020 hat das Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum Thüringen die Förderung folgender Projekte bestätigt:

  • Schaukasten an der Marktkirche mit 8.251,70 €
  • Glockenaufhängung in der Marktkirche mit 25.232,44 €

Der Verein bedankt sich herzlich für die zugesagten Förderungen. Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.

 

Thüringer Aufbaubank verschiebt Entscheidung

Mit Schreiben vom 11.03.2020 informierte die "Thüringer Aufbaubank", dass die Anfrage vom 26.08.2019 zur Förderung des Turmbaus zurückgestellt wird. Voraussetzung für eine weitere Bearbeitung ist die Erarbeitung eines touristischen Konzepts für die Stadt Ellrich unter Bezugnahme auf das Tourismuskonzept für die Region Südharz-Kyffhäuser sowie dessen Einordnung hinsichtlich der Zielstellungen der Landestourismusstrategie 2025.

Wir werden daher die Stadt Ellrich bei der Erarbeitung eines touristischen Konzepts tatkräftig unterstützen. Die Ansatzpunkte dafür haben wir bereits in unserem "Plädoyer für den Turm" aufgeführt. Wir sind uns sicher, dass wir auch diese neue Herausforderung zum Aufbau des Johannisturmes in Ellrich meistern werden, um danach eine neuerliche Förderanfrage stellen zu können.

 

Kurz und bündig: Das ist neu im Verein

  • Der Verein behält seinen bisherigen Namen. Zusätzlich führt er den Kurznamen "Kirchenbauverein Ellrich".
  • Der Verein kümmert sich sich um die beiden evangelische Kirchen in Ellrich (Marktkirche und Frauenbergskirche).
  • Die Mitglieder des Förderkreises zum Wiederaufbau der St.Johanniskirche werden eingeladen, in den Kirchenbauverein einzutreten.
  • Der Förderkreis überträgt sein Vermögen auf den gemeinsamen Verein und löst sich auf.

Ein Blick zurück, ein Blick nach vorn

Ein Blick zurück? Da kommt man an dem Bild der magisch angestrahlten Marktkirche nicht vorbei. Bühnen vor der Kirche, eine Bühne in der Kirche, Scheinwerfer mit farbigen Lichtspielen, ein riesiger Bildschirm an der Turmwand über dem Haupteingang. Der MDR überträgt die TV-Show „Oh happy day“ mit vielen bekannten Künstlern aus der Johanniskirche, Ellrich erstrahlt und das Fernsehen überträgt diese Bilder und die fantastische Stimmung rund um die Kirche.

Das Team aus Ellrich hatte den Wettbewerb „Mach dich ran“ gewonnen, die Geschäftsführerin der Stiftung KiBa überreichte dem Ellricher Pfarrer Jochen Lenz in der Show den symbolischen Scheck über 200.000 €. Gratuliert hat auch der Thüringer Ministerpräsident Bode Ramelow, der unangekündigt nach Ellrich gekommen war, die unermüdliche Arbeit der Ellricher für ihre Kirche würdigte und die Übernahme der Eigenmittel durch das Land Thüringen zusagte. Nahezu unbemerkt geblieben ist dabei am selben Tag ein Bericht von Radio MDR Kultur über den Aufbau des Turms, in dem auch die Ellricher Glocken zu hören waren.

Das langjährige intensive Bemühen um den Wiederaufbau der Kirche und des Turmes hatte die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland veranlasst, den Ellrichern die Teilnahme an diesem Wettbewerb anzubieten. Und die Chance wurde genutzt! Das Team konnte alle (!) Wettbewerbe gewinnen und am 14. September stand fest: Ellrich ist der Gewinner! Die Rückkehr der Sieger vom letzten Kräftemessen glich einem Triumph und spontan feierte Ellrich seine Helden bis spät in die Nacht.

Auch wenn diese spektakuläre Show das Bild des letzten Jahres überstrahlt, darf die unermüdliche Basisarbeit für den Aufbau des Johannisturmes nicht unerwähnt bleiben. Mit Unterstützung durch Karl-Heinz Kindervater wurde eine neue Zielplanung erarbeitet, die ein touristisches Nutzungskonzept für den Turm enthält. Mit großem Engagement hat der Ellricher Bürgermeister Henry Pasenow dieses Konzept in der Landesregierung vorgetragen, dafür auch hier unseren herzlichen Dank. Und schließlich hat im August die Thüringer Staatskanzlei eine Fördervoranfrage befürwortet, die derzeit bei der Thüringer Aufbaubank zur Entscheidung ansteht.

Aber es gab auch noch andere Höhepunkte im letzten Jahr: Zum Schützenfest hatte der Glockenturmverein wieder zum Bücherbasar in die Marktkirche eingeladen, etwa 600 Bücher fanden neue Leser. Die Andacht zum Thema „Heimat“ war gut besucht, viel Beifall erhielten die begleitenden Musiker für ihr einfühlsames Spiel.

Und auch der Schweizer Künstler Jürg Montalta hatte wieder zu fünf „Hörkreisen“ eingeladen, das eigenwillige Format dieser Veranstaltungen erfuhr eine bewegende Resonanz.

Der deutsche Kirchbautag 2019 fand in Erfurt statt, eine Delegation besuchte auch unsere St.Johanniskirche, um sich über den Stand des Wiederaufbaus zu informieren. In einem Workshop in Erfurt durften wir dann am nächsten Tag die bisherige Arbeit vorstellen.

Aus den beiden Ellricher Vereinen zur Unterstützung der St. Johanniskirche wurde nach langen und mühevollen Vorbereitungen der „Kirchenbauverein Ellrich“, der Wiederaufbau und Erhalt beider Ellricher Kirchen (Marktkirche und Frauenbergskirche) fördert. 

Das Bestreben der Evangelischen Landeskirche, Kirchengebäude über ihre übliche Nutzung hinaus auch für sozio-kulturelle Zwecke zur Verfügung zu stellen, hat in Thüringen unter anderem schon zu einer Bienenkirche, einer Heilkirche oder einer Herbergskirche geführt. St.Johannis in Ellrich soll zur Begegnungs- oder Netzwerkkirche entwickelt werden, auch dazu wurde eine erste Planung fertiggestellt, die insbesondere die zukünftige Ausstattung des Kirchenschiffes beinhaltet.

Und damit wollen wir den „Blick nach vorn“ wagen. Natürlich steht der Aufbau des Johannisturms im Zentrum aller Aktivitäten. Wir warten hier auf die Entscheidung der Thüringer Aufbaubank, danach werden wir weitersehen. Dann gilt es, die Arbeit des neu entstanden Kirchenbauvereins zu organisieren. Und schließlich soll auch das Konzept der Netzwerkkirche weiterentwickelt werden.

Hier stellen wir uns vor, dass möglichst viele Menschen in und an der Kirche ein gemeinsames Projekt bearbeiten, vielleicht ein „Musikspektakel“, das die ganze Stadt und die Region einbezieht. Nicht aber das Ergebnis soll im Schwerpunkt dieses Projektes stehen, sondern die gemeinsame Arbeit, die Kommunikation und das Miteinander aller Beteiligten. Handwerker bauen an Requisiten, Musiker proben neue Lieder, Schneiderinnen gestalten Kostüme, man redet miteinander, tauscht Ideen aus, die ganze Stadt wird zum Bühnenbild.

Dazu bedarf es natürlich professioneller Unterstützung, die bereits vom Schweizer Regisseur Jürg Montalta zugesagt wurde. Und die Kirche braucht eine flexible Möbellandschaft, so dass im Kirchenschiff je nach Bedarf Werkstätten oder Proberäume entstehen können. Moderne Medienanlagen werden benötigt, um die Kirche auch als Spielort zu nutzen. Die Kirche wird Zukunftswerkstatt, behält dabei aber selbstverständlich ihren Grundcharakter als evangelische Kirche und wird auch weiterhin vorrangig als Gotteshaus genutzt.

Die Vorbereitungen für dieses Projekt haben begonnen, es finden Gespräche mit der Landeskirche, der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen, mit Stiftungen und staatlichen Institutionen statt. Eine erste Projektskizze liegt vor, das Kernteam findet sich zusammen und koordiniert das weitere Vorgehen.

Bereits vor der Wende und erst recht mit dem Eintritt in eine freie Gesellschaft zeigte sich, dass die Ellricher sich nicht von der Lethargie anstecken ließen. Nein, ohne Aufforderung oder Ermutigung packten sie die schier unlösbar erscheinende Aufgabe an, die zur Ruine verfallene Kirche wiederaufzubauen, die Heimat neu zu gestalten. Und dürfen sich jetzt freuen, dass die Saat jahrelanger Arbeit aufgeht. Dafür allen herzlichen Dank.

 

 

Protokoll der Mitgliederversammlung vom 21.11.2019

Tagungsort und -termin: Gaststätte „Schwarzer Adler“ in Ellrich, 21.11.2019, 19:00 – 21:30 Uhr

TOP 1: Begrüßung und Wahl des Versammlungsleiters
B
egrüßung durch den 1. Vorsitzenden der Fördervereins Martin Bischoff
Auf Vorschlag von Martin Bischoff wird Benjamin August per Handzeichen einstimmig zum Versammlungsleiter gewählt. Herr August nimmt die Wahl an.

TOP 2: Feststellung der ordnungsgemäßen Einberufung und der BeschlussfähigkeitDer Versammlungsleiter stellt die ordnungsgemäße Einladung aller Mitglieder fest. Die Mitgliederversammlung ist somit beschlussfähig.

 TOP 3: Begrüßung und Vorstellung der neuen Ehrenmitglieder
Die Mitgliederversammlung begrüßt und bestätigt die neuen Ehrenmitglieder einstimmig per Handzeichen: Annelie Lange, Beate Dietrich, Dr. André Hoy, Frauke Kliemannel, Jana Eichel, Marianne Don Ranasinghe, Matthias Dohle, Benjamin August

TOP 4: Bericht des Kassenwarts, Bestätigung durch die Kassenprüfer
Der Kassenwart Werner Zinram berichtet über die finanzielle Situation des Vereins.
Die Kassenprüfer Hans-Joachim Reichhardt und Jürgen Köcher (in Vertretung für Peter Drechsler, durch die Mitgliederversammlung durch Handzeichen einstimmig bestätigt) bestätigen die ordnungsgemäße Führung der Kasse. Bei der Prüfung wurden keine Unregelmäßigkeiten festgestellt.
Nach Aussprache wird der Kassenwart per Handzeichen einstimmig entlastet.

TOP 5: Rechenschaftsbericht des Vorstands, Diskussion und Entlastung des Vorstands
Der Vorsitzende Martin Bischoff trägt den schriftlich vorliegenden Rechenschaftsbericht zur Vereinsarbeit vor. Der Rechenschaftsbericht 2019 wird nach ausführlicher Aussprache per Handzeichen einstimmig genehmigt und der Vorstand entlastet

TOP 6: Änderung der Satzung
Die geplanten Änderungen der Satzung, die der Einladung zur Mitgliederversammlung beigefügt waren, werden nach Aussprache per Handzeichen einstimmig beschlossen. Die geänderte Satzung ist diesem Protokoll beigefügt und kann auf der Website eingesehen werden.
Die Vereinbarungen zur Vereinigung der beiden Vereine werden per Handzeichen einstimmig bestätigt. 

TOP 7: Wahl des Vorstand
Auf Vorschlag des Versammlungsleiters werden für den Vorstand per Handzeichen einstimmig gewählt:

Benjamin August, Ellrich
Martin Bischoff, Zorge
Ulf Gebler, Ellrich
Marianne Don Ranasinghe, Ellrich
Werner Zinram, Ellrich

Die gewählten Personen haben die Wahl angenommen. 

TOP 8: Wahl der Kassenprüfer
Auf Vorschlag des Versammlungsleiters werden als Kassenprüfer per Handzeichen einstimmig gewählt:

Hans-Georg Mattke
Hans-Joachim Reichhardt

Die gewählten Personen haben die Wahl angenommen.  

TOP 9: Allgemeine Aussprache

Herr Pasenow (Bürgermeister der Stadt Ellrich) bestätigt die Arbeit des Vereins und sagt die Unterstützung der Stadt zu. Der Vorsitzende Martin Bischoff bedankt sich ausdrücklich bei Herrn Bürgermeister Pasenow und der gesamten Stadtverwaltung für die bisherige starke Unterstützung der Vereinsarbeit.

 

Große Freude rund um die Kirche

Was war das für ein Abend! Das Team aus Ellrich hat den Wettbewerb "Mach dich ran" des MDR-Fernsehens gewonnen und ein Preisgeld von 200.000 € für St. Johannis erhalten. Symbolisch wurde der Scheck am Freitag durch Frau Dr. Hasenclever, Geschäftsführerin der Stiftung KiBa, in der TV-Show "Oh happy day" an den Ellricher Pfarrer Jochen Lenz übergeben. Gratuliert hat auch der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow, der unangekündigt die Show besuchte und die unermüdliche Arbeit der Ellricher für ihre Kirche würdigte.

Schon 2018 war der Ministerpräsident in Ellrich, um sich selbst ein Bild von der Arbeit des Glockenturmvereins zu machen und schon damals sagte er seine Unterstützung für dieses Projekt zu. Seit 10 Jahren arbeitet der Verein daran, den Turm an der Kirche wieder entstehen zu lassen und ist nun seinem Ziel wieder ein Stück näher gekommen.

Natürlich ist die intensive Arbeit der Vereinsmitglieder auch in der Öffentlichkeit deutlich geworden und hat schließlich dazu geführt, dass die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland in Würdigung der bisherigen Arbeit der Kirchengemeinde Ellrich und dem Glockenturmverein die Teilnahme am Wettbewerb der KiBa angeboten hat. Diese Chance haben wir genutzt und unsere Teilnahme im Frühjahr 2019 zugesagt.

Im Mai hat der MDR dann die Teilnahme der Ellricher an diesem Wettbewerb bestätigt, und jetzt musste alles ganz schnell gehen: Pfarrer Lenz trommelte die Ellricher in der Kirche zusammen, die Stadt sagte ihre Unterstützung zu und Hendrik Petzold vom MDR erläuterte in der überfüllten Kirche das weitere Vorgehen. 

Ein Team wurde gebildet, die Vorbereitungen und das Training liefen an, die Finanzierung wurde durch Spenden gesichert. Das Team konnte alle (!) Wettkämpfe gewinnen und am 14. September stand fest: Ellrich ist der Gewinner des Wettbewerbs und 200.000 € fließen nach Ellrich. Die Rückkehr der Sieger vom letzten Kräftemessen glich einem Triumph und Ellrich feierte seine Helden bis spät in die Nacht.

Nach der Wende, mit dem Eintritt in eine freie Gesellschaft zeigte sich, dass die Menschen nicht in Lethargie verfallen waren oder den Kopf in den Sand steckten. Nein, ohne Aufforderung oder Ermutigung packten sie die schier unlösbar erscheinende Aufgabe an, die zur Ruine verfallene Kirche wieder aufzubauen, die Heimat neu zu gestalten. Und dürfen sich jetzt freuen, dass die Saat jahrelanger Arbeit aufgeht. Dafür allen herzlichen Dank.

Zum Stand der Dinge: Die Förderanträge für den Aufbau des Turmes durften eingereicht werden und liegen nun bei der Thüringer Aufbaubank zur Entscheidung. Die erforderlichen Eigenmittel wurden durch den Ministerpräsidenten Bodo Ramelow zugesagt. Wir sind auf einem guten Weg! Und die Botschaft ist:

Ellrich kann´s!

 

 

Plädoyer für den Turm

Seit vielen Jahren bemühen sich Ellricher Bürger mit Unterstützung durch Stadt und Kirche intensiv um den Aufbau des Turmes an der Marktkirche. Da stellt sich unweigerlich die Frage: Was treibt sie an, so vehement und zäh um den Turm an der Marktkirche zu ringen, was haben sie davon?

Um diese Motivation zu verstehen, muss die jüngere Vergangenheit dieser kleinen Stadt am Südharz und ihrer Bewohner betrachtet werden.

Vor dem letzten Krieg war Ellrich ein bedeutendes touristisches und ökonomisches Regionalzentrum im Südharz. Die „Stadt der Segelflieger und der ruhigen Erholung“, so die damalige Werbebotschaft, konnte mit der Bahn erreicht werden, hatte eine gut ausgebaute touristische Infrastruktur mit Hotels, Gaststätten und Freizeitangeboten sowie lohnenden Ausflugszielen in der näheren Umgebung. Die Karstlandschaft mit den weißen Felsen und eigentümlichen Höhlen, der Harz mit Wanderwegen und Kletterfelsen, das Kloster Walkenried mit den imposanten Ruinen und die mittelalterlichen Städte rund um den Harz. Sülzhayn, heute ein Ortsteil von Ellrich, war bekannt für seine Lungenheilstätten und wurde auch „Davos des Ostens“ genannt.

In Ellrich waren die Oberschulen für die Region, deren Schüler auch aus den umliegenden Dörfern kamen, die heute in Niedersachsen liegen und wo auch heute noch die thüringische Mundart gesprochen wird. Gipswerke, Textilverarbeitung und Holzwirtschaft prägten eine prosperierende Industrie.

Im Zentrum der Stadt befand sich die Marktkirche St. Johannis mit den imponierenden Turmhelmen und einem Glockengeläut, das in der gesamten Region zu hören war. Der Turm von St.Johannis wurde so über die Jahrhunderte zu einem Symbol im Südharz, das für Heimat und Bodenständigkeit der Menschen stand.  

Ellrich hatte aber auch, wie kaum eine andere Stadt in Deutschland, schwer unter den jeweiligen politischen Verhältnissen zu leiden. Zu Zeiten der Nazi-Herrschaft befand sich hier das KZ Dora und, in unmittelbarer Nähe, das Rüstungsprojekt Kohnstein mit verheerenden Auswirkungen auf Land und Leute.

Zu DDR-Zeiten verlief die Grenze direkt an der Stadt. Ellrich lag als einzige Stadt der DDR im 5 km-Sperrgebiet und Teile des Stadtgebietes in der 500 m-Schutzzone. Die Maßnahmen des DDR-Regimes zur Grenzsicherung beeinflussten unmittelbar das Leben in der Stadt. Es kam zu Aussiedlungen von unbescholtenen Bürgern (z.B. Aktion „Ungeziefer“) und zu scharfen Restriktionen gegen die Bevölkerung.

Eine unmittelbare Folge der DDR-Politik war, dass viele aktive und leistungsorientierte Menschen die Stadt verließen, oft auch Richtung Westen. Andererseits bestimmten die Grenztruppen und die ins zivile Leben gewechselten Soldaten zunehmend das öffentliche Leben.

In dieser Zeit, Anfang der 1960-er Jahre, wurden am Turm der St.Johanniskirche erhebliche statische Probleme festgestellt, die allerdings auf weit zurückliegenden Ursachen beruhten. Diese Baufälligkeiten waren den DDR-Behörden ein willkommener Anlass, den Abriss des 1000-jährigen Kirchengebäudes zu fordern. War doch die Kirche mit ihren Turmhelmen und dem beeindruckenden Geläut weit über die „Staatsgrenze“ hinaus ein Signal für die Verbundenheit von Ost und West.

So wurde schließlich der Turm abgetragen und die Kirche verfiel zu einer traurigen Ruine. Mit dem Verfall der Kirche, der ständigen Angst vor Repressalien, der Abgrenzung der Stadt nach allen Richtungen und der Unterwanderung der Bevölkerung entstand in den Menschen schließlich eine Lethargie, die bis heute nachwirkt und die es zu überwinden gilt.

Nach der Wende gelang es Ellricher Bürgern in Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche, der Stadt Ellrich und dem Freistaat Thüringen, das Kirchenschiff wiederherzurichten. Aber erst mit dem Turm wird das Bauensemble wieder voll hergestellt sein, die Stadt ihr altes Gesicht bekommen und die Identifikation mit der Heimat ermöglicht.

Ganz im Sinne der touristischen Tradition sehen die Nutzungskonzepte der Evangelische Kirche und der Stadt Ellrich übereinstimmend vor, die Kirche zu einer sozio-kulturellen Netzwerk- oder Begegnungskirche zu entwickeln. Dabei hat die Transformation der ehemaligen „Grenzkirche“ zu einer „Begegnungskirche“ eine hohe politische Symbolkraft als Versöhnungszeichen im 30. Jahr der deutschen Einheit.

Ellrich, inzwischen auch gut über die Autobahn A38 zu erreichen, liegt am Europäischen Grünen Band, dem ehemaligen Eisernen Vorhang, einem weltweit einzigartigem ökologischem Netzwerk durch ganz Europa, welches heute Menschen und Natur verbindet und Symbol für einen friedlichen Wandel ist. Der europäische Fernradweg (EuroVelo 13 – Iron Curtain Trail) verläuft in unmittelbarer Nähe und ist eine weitere überregional wahrnehmbare Attraktion.

Das repräsentative Kulturdenkmal ist mit einem Veranstaltungsraum in der Kirche (ca. 560 m2) ein zentraler Anlaufpunkt für Konzerte, Tagungen, Lesungen, Ausstellungen, Workshops, Versammlungen sowie Gottesdienst, Taufe, Konfirmation, Trauung, Trauer und Alltagskirche.

Auch die bisher weitgehend fehlende touristische Infrastruktur (z.B. Tourist-information, WC) wird mit dem Neubau des Turmes geschaffen. Auf über 300 m2 entstehen die Voraussetzungen zur Entwicklung des Tourismus mit Veranstaltungsräumen und Besucherinformationen, die auf die Besonderheiten der Stadtgeschichte (Mittelalter, NS-Zeit mit Konzentrationslager, DDR-Grenzregime und Grenzkirche) verweisen. Der Blick aus den Fenstern und von der Aussichtsplattform fällt auf die ehemalige Grenze (das heutige Grüne Band), das KZ-Außenlager Dora und die Frauenbergskirche als eine der ältesten Kirchen in Thüringen.

Kooperationen mit touristischen Angeboten im Umland werden dabei unter Bezug zum Thüringer Kulturkonzept ausdrücklich angestrebt, die Stadt Ellrich ist Mitglied im Tourismusverband Südharz/ Kyffhäuser.

Was also haben die Ellricher von diesem Turm? – Die Wiederbelebung einer liebenswerten Stadt als kulturelles Regionalzentrum und Sehnsuchtsort vieler Generationen, ein deutliches Zeichen für das „Wunder der deutschen Einheit“ und die Gewissheit, dass Zwang, Willkür und Teilung endgültig überwunden sind.

Zeitspuren - ein anderer Blick auf St. Johannis

Zu DDR-Zeiten wurde von staatlicher Seite der Abriss der St. Johanniskirche in Ellrich geplant. Über das Bemühen der Evangelischen Kirche, das historische Kirchengebäude in der Sperrzone zu erhalten, sprach der Architekt und Kirchenbauoberrat i.R. Michael Sußmann aus Magdeburg, der im Auftrag des damaligen Bischofs Dr.Demke mit der Abwehr dieses Ansinnens betraut war.

Die Hospitalkirche war voll, ca. 70 Zuhörer lauschten dem fundiert recherchierten und angenehm vorgetragenen Bericht über die Baugeschichte der Johanniskirche.

Ellricher Stadtrat unterstützt Glockenturmverein

In der Sitzung des Ellricher Stadtrates vom 19.02.2018 wurde der folgende Beschluss einstimmig verabschiedet (Beschluss-Nr. 238-14/19):

"Der Stadtrat der Stadt Ellrich beschließt den Förderverein "Wiederaufbau Glockenturm St.Johannis in Ellrich e.V." beim Wiederaufbau der Glockentürme zu unterstützen."

Diese Beschlussvorlage wurde mit dem Bauausschuss und dem Hauptausschuss der Stadt Ellrich abgestimmt.

Damit wurde die durch das Architekturbüro SMITS+TANDLER vorgelegte Zielplanung auch durch den Stadtrat Ellrich bestätigt, die Zustimmung des Gemeindekirchenrates erfolgte bereits im April 2018.

 

Bestandsaufmaß fertiggestellt

Durch das Büro für Photogrammetrie/Vermessung A. Kühn aus Jena wurde die bestehende Bausubstanz der Kirche einschließlich der näheren Umgebung photometrisch vermessen.

Damit liegen nun exakte Daten für folgende Ebenen vor:

- Lage- und Höhenplan
- Grundriss Erdgeschoss
- Teilgrundriss Dachgeschoss
- Dachdraufsicht
- Längsschnitt
- Querschnitt 1
- Querschnitt 2
- Orthofoto

Die Daten werden für die anstehende Feinplanung der Glockentürme benötigt.

Entwurf des Glockenturms als Postkarte erhältlich

Der Entwurf des Glockenturmes ist als Postkarte in Ellrich erhältlich, z.B. in der Apotheke, im Cafe Nikolai, bei Uhrmacher Bischoff, Optiker Gebler, Drogerie Köhler, Bäcker König, Gardinen Merx oder im "Schwarzen Adler".

Auch in der geöffneten St. Johanniskirche liegen Postkarten zum Mitnehmen aus. 

Die Postkarten sind kostenlos, um eine Spende in die bereitstehenden Sparschweine wird herzlich gebeten.

In der St. Johanniskirche liegt auch die Zielplanung für den Wiederaufbau der Türme aus und kann dort eingesehen werden.


Offene Kirche - St. Johannis in Ellrich geöffnet

Offene Kirche - auch St. Johannis in Ellrich macht mit! Die Ellricher Hauptkirche ist von April bis Oktober täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Bei Gottesdiensten und Veranstaltungen kann die Kirche für deren Dauer geschlossen werden.

Neben religiösen Angeboten stellt der Glockenturmverein Materialien zum Wiederaufbau der Türme vor.

 

Die Zielplanung ist fertig!

Am 02. März 2017 hat Herr Tandler vom Architekturbüro SMITS + TANDLER die Zielplanung für den Aufbau der Glockentürme den Vertretern der Gemeinde und der beiden Fördervereine vorgestellt. Diese Planung umfasst sowohl den Wiederaufbau der Glockentürme als auch den Ausbau des Kirchenraumes zur erweiterten, nachhaltigen kirchlichen und öffentlich-kulturellen Nutzung.

Das weitere Vorgehen wird in einer gemeinsamen Besprechung am 30.03.2017 im Pfarrhaus abgestimmt.

 

 

 

 

 

Kirchturm-Varianten

Masterstudenten der Bauhaus-Universität Weimar haben eigene Entwürfe für die Türme unserer Haupkirche St. Johannis entwickelt. Vom 13.12.2016 bis 6.01.2017 wurden diese studentischen Entwürfe im Hauptgebäude der Universität präsentiert.

Diese Konzepte sind ausdrücklich keine Alternativen zum geplanten Wiederaufbau der historischen Türme. Sie sollen aber die Diskussion um Kirchenbauten in der heutigen Zeit bereichern.

Der Glockenturmverein zeigt diese Arbeiten in einer Ausstellung im "Café Nikolai" in Ellrich ab 1. März 2017. Dabei wird jeder Entwurf für ca. 2 Wochen zu betrachten sein.

Wir bedanken uns herzlich bei Antje und Jürgen Weyand für ihre Unterstützung.

 

Endlich: Das Gerüst und der Bauzaun sind weg!

Dieses Datum sollten wir uns merken: Am 30.06.2016 konnte die Sanierung des Westgiebels zunächst abgeschlossen werden. Das Gerüst und die Bauzäune wurden abgebaut, die Kirche kann wieder durch den Haupteingang betreten werden. Damit haben wir ein erstes wichtiges Ziel erreicht, über das wir uns freuen und das uns Ansporn ist für die weitere Arbeit.

Jetzt, wo der Westgiebel geschützt und das Mauerwerk verfestigt ist, bietet die Kirche wieder ein Bild der Ruhe und Beschaulichkeit. Aber noch liegt viel Arbeit vor uns, erst mit dem Neubau der Türme werden wir unser Ziel erreicht haben.

 

 

EU unterstützt den Wiederaufbau der Glockentürme

Durch das "Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung Gotha" wurde dem Glockenturmverein der Zuwendungsbescheid nach der "Richtlinie zur Förderung der integrierten ländlichen Entwicklung und der Revitalisierung von Brachflächen" für das Projekt "Erstellung Planungs- und Nutzungskonzept für den Wiederaufbau Glockenturm" zugestellt.

Gegenstand dieses Projektes ist die Erarbeitung prüffähiger Planungsunterlagen, Maßnahmen- und Kostenpläne nach den Bauabschnitten Glockenturm und Innenraum als Grundlage für die Beantragung von Fördermitteln und für die Beratungen zu den Projektinhalten mit den zuständigen kirchlichen, denkmalfachlichen, baufachlichen und öffentlich-rechtlichen Institutionen sowie den entsprechenden Fachplanern.

Die Förderung erfolgt als Anteilsfinanzierung einer Projektförderung auf der Grundlage der beigefügten Kostenkalkulation. Das Vorhaben ist im Bewilligungszeitraum vom 10.06.2016 bis 01.10.2016 durchzuführen.

Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete.

 

Die Arbeiten am Mauerwerk haben begonnen

Nachdem im letzten Jahr ein Schutzdach über dem Westgiebel der St. Johanniskirche errichtet wurde, um das mittelalterliche Mauerwerk vor Witterungseinflüssen zu schützen, wurde jetzt mit dem zweiten Bauabschnitt zur Sicherung der Turmreste begonnen.

Das Aufbringen eines Zementmörtels mit einer großen Härte in den 1990er Jahren sollte einer Verschlechterung des Mauerwerkgefüges entgegenwirken. Durch diese große Härte bildete sich eine schalenartige Struktur des Mörtels, es konnte  allerdings kein Verbund mit dem bestehenden Natursteinmauerwerk entstehen.

Damit konnte die Feuchtigkeit über die Fugen zwar eindringen, aber sehr schlecht wieder entweichen, was die Übersättigung des Altmauerwerkes mit Wasser erklärt. Durch die sehr weichen Fugen können die Steine im Mauerwerkverbund nicht mehr halten, so dass sich Steine herauslösen und zu einer Unfallgefahr werden.

Daher war die dringlichste Aufgabe, das vorhandene Mauerwerk durch Beseitigung der harten Zementschale zu trocken und vor weiteren Witterungseinflüssen zu schützen. Alle später aufgebrachten Putze und Verfugungen müssen entfernt werden, die oberflächlichen Zementverstriche sind abzuklopfen und die Fugen zu öffnen. Der gesamte Mauerbereich muss allseitig frei von Luft umspült werden können.

Und genau diese Arbeiten werden jetzt unter den Planen ausgeführt, die zum Schutz der Umwelt vor Staubbelastungen dienen. Alle gelockerten Steine werden entfernt und zwischengelagert für eine spätere Wiederverwendung beim Aufbau der Glockentürme.

Nach der vollständigen Austrocknung der Mauerreste können diese dann nach einer nochmaligen Untersuchung in die statische Konzeption der Glockentürme eingebunden werden.

Für diesen zweiten Bauabschnitt werden Kosten von 35.000,00 € veranschlagt. Daran beteiligen sich die Evangelische Kirchengemeinde Ellrich, das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, der Evangelische Kirchenkreis Südharz und der Glockenturmverein Ellrich.

Wir bedanken uns herzlich bei allen, die dies durch ihre Zuwendung und aktive Unterstützung ermöglicht haben.

 

Die Turmreste sind überdacht!

Am 16.12.2014 wurden die Arbeiten zum Aufbau des Pultdaches beendet, die mittelalterlichen Turmreste sind nunmehr weitgehend geschützt gegen Witterungseinflüsse.

Die Gerüste wurden abgebaut, die Baustelle ist beräumt und die Sanierung des Natursteinmauerwerkes steht im Jahre 2015 an. Auch dafür werden wieder finanzielle Mittel benötigt, an denen sich der Glockenturmverein beteiligen wird.

 

 

 

 

 

Die Glocken der St. Johanniskirche

Etwas verlassen und leicht angerostet stehen sie heutzutage rechts und links des Altarraumes im weiten Kirchenschiff: Die Glocken der St.Johanniskirche. Liebevoll geschmückt zwar durch die Kirchengemeinde zu festlichen Anlässen, bestaunt und begutachtet von Besuchern der Kirche, aber doch stumm und fernab ihrer Bestimmung.

Und was muss das doch für ein Festumzug in Ellrich gewesen sein, als am 3. Januar 1908 die vom Bochumer Gussstahlverein gegossenen und gelieferten Glocken am Bahnhof ankamen und auf vier Tafelwagen durch die Straßen der Stadt zur Kirche geleitet wurden. Stolz waren die Ellricher, dass der Wiederaufbau der Kirche nach dem verheerenden Brand von 1907 schon so bald wieder abgeschlossen war. Zwar war der Moll-Akkord h-d1-f1-gis1 ein ungewohnter Klang, war man doch an den schönen Dur-Akkord c1-e1-g1 gewöhnt. Aber, wie der damalige Oberpfarrer Reinicke zu berichten wusste, kam selbst aus den umliegenden Dörfern viel Zustimmung für dieses festliche Geläut im „Plenum“, wenn also alle vier Glocken gleichzeitig ertönten.

Die erste und größte Glocke (Nennton h) wiegt ohne Klöppel etwa 46 Zentner und trägt die Inschrift: „EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE, FRIEDE AUF ERDEN UND DEN MENSCHEN EIN WOHLGEFALLEN“. Die Glocke mit dem Nennton d1 (27 Zentner) trägt die Inschrift nach dem bekannten Kirchenlied von Martin Luther: „EIN FESTE BURG IST UNSER GOTT“. Zwanzig Zentner wiegt die Glocke mit dem Nennton f1, sie trägt die Inschrift: „FRIEDE SEI MIT EUCH!“. Die kleinste Glocke (Nennton gis1) wiegt immerhin noch 14 Zentner und verkündet die Einladung: „KOMMT, DENN ES IST ALLES BEREIT“.

Das Festgeläut der St.Johanniskirche wurde 1955 vom damaligen staatlichen Rundfunk der DDR aufgezeichnet, zu besonderen Anlässen ist diese Aufnahme in der Kirche zu hören. Letztmalig erklangen die Glocken im Dezember 1957, bevor sie 1962 ausgebaut wurden. 1964/1965 wurden die Glockentürme bis auf wenige Reste abgerissen, die nun selbst auch noch vor dem Verfall stehen.

Der Glockenturmverein hat mit dem Glockenbeauftragten des Landeskirchenamtes über Maßnahmen zur Bewahrung der Glocken gesprochen. Danach ist davon auszugehen, dass diese Glocken eine hohe Standfestigkeit besitzen, so dass die berechtigte Hoffnung besteht, dieses festliche Geläut wieder in Ellrich zu hören. Auch der Klang der Glocken der Ellricher Hauptkirche ist ein Stück Heimat, das es zu bewahren gilt. Dafür bittet der Glockenturmverein um breite Unterstützung.

(Ellricher Zeitung, Februar 2014)